Hans-Dieter Nahme - Die Notarkammer Celle und die Geschichte des Notariats im Kammerbezirk Celle
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Die Notarkammer Celle und die Geschichte des Notariats im Kammerbezirk Celle

Einige fragmentarische Leseproben

Aus dem Kapitel: "Das Oberappellationsgericht Celle in der Geschichte des Kurfürstentums Hannover"

Die Errichtung des Oberappellationsgerichts Celle und die Entwicklung eines mit seinem Bezirk und Einfluss verbundenen Notarwesens ist ein Stück der Geschichte des Welfenhauses und der Erlangung der Kurwürde. ......

Ende des 17. Jahrhunderts regierte in der Residenzstadt Hannover Herzog Ernst August von Calenberg und Grubenhagen die Fürstentümer im Bereich Göttingen-Hannover. Er führte die sogenannte Primogenitur ein, wonach nur noch der älteste Sohn Nachfolger werden konnte und damit eine erneute Aufsplitterung vermieden wurde. Das war Voraussetzung zur Erlangung der Kurwürde. Weiter sicherte er für seine Linie auch die Erbfolge nach seinem älteren Bruder, dem Herzog Georg Wilhelm von Celle-Lüneburg. So erlangte das Herrscherhaus wieder eine Bedeutung, die dazu führte, dass ihm Kaiser Leopold I. die nunmehr neunte Kurfürstenwürde im Reich einräumte. ......

Mit der Kurwürde war schon seit der "Goldenen Bulle" Kaiser Karls IV. aus dem Jahr 1356 das privilegium de non appellando verbunden, wonach Appellationen an ein Reichsgericht nicht mehr zulässig waren, "solange den im Gerichte der ...Kurfürsten... Klagenden das Recht nicht verweigert wird" ( XI der "Goldenen Bulle" ). Der Kurfürst erlangte also die Gerichtshoheit. Obwohl sich Kontroversen darüber noch bis 1718 hinzogen, war es nun möglich, ein oberstes Gericht für das Kurfürstentum Hannover zu errichten. Das wurde im Jahre 1711 das Oberappellationgericht mit dem Sitz in Celle, dem bisherigen Herzogsitz von Celle-Lüneburg. ......

Notare wurden bis dahin auf Grund der Kaiserlichen Notariatsordnung von 1512 bestellt. Nun konnten Notare auch auf Grund der Oberappellationsgerichtsordnung in die vom Oberappellationsgericht geführte Notariatsmatrikel aufgenommen werden. Die nach der Kaiserlichen Notariatsordnung bestellten Notare wurden ebenfalls in die Matrikel aufgenommen. Auf diese Weise entstand erstmals ein im Bezirk des Oberappellationsgerichts Celle registriertes und unter der Aufsicht des Gerichts stehendes Notariat. ......


Aus dem Kapitel: "Zwischen den beiden Weltkriegen"

Am 4. April 1933 hatte es im Bezirk des Oberlandesgerichts Celle unter den inzwischen 483 Notaren (Anwaltsnotaren) 56 "nichtarische" Notare gegeben, von denen 23 sogleich ihre Zulassung verloren. Auf Grund des schon erwähnten Nürnberger Reichsbürgergesetzes vom 15 9. 1935 (RGBl.I S, 1146) verloren bis zum 14. 11. 1935 auch die danach noch verbliebenen jüdischen Notare ihr Amt. Zwar gab es auch in diesem Gesetz Ausnahmeregelungen; entsprechende Anträge wurden jedoch vom Justizminister abgelehnt (Hamann aaO). Jüdische Notare gab es daraufhin im Bezirk des Oberlandesgerichts Celle nicht mehr. 12 sind in Konzentrationslagern oder nach Deportation in osteuropäische Ghettos umgekommen, 3 haben sich das Leben genommen, einer gilt als verschollen. Viele sind emigriert, davon 25 im Ausland gestorben. 15 sind in Deutschland eines natürlichen Todes gestorben, darunter etliche nach Rückkehr aus der Emigration oder als Überlebende aus Lagern.


Aus dem Kapitel: "Von dem britischen Besatzungsregime und der Bildung des Landes Niedersachsen bis zum Inkrafttreten der Bundesnotarordnung

In den Jahren 1945 bis 1947 erschien für die ehemalige preußische Provinz Hannover die Zeitschrift "Hannoversche Rechtspflege". In der ersten Ausgabe von 1945 nach dem Ende des Krieges wird festgestellt: "Voraussetzung für jede Beschäftigung im Justizdienst ist die Bejahung der politischen Tragbarkeit durch die Militärregierung." Das galt auch für die "Zulassung als Rechtsanwalt und Ernennung zum Notar". In dem anschließend abgedruckten Merkblatt wird eingehend der Gang der Bewerbung, beginnend mit der Ausfüllung von Fragebögen, und der Gang der Prüfung der politischen Tragbarkeit dargestellt. Auch wird mitgeteilt, dass für die Rechtsanwaltskammer bis zu einer späteren Wahl des Vorstandes ein Präsident, ein Vizepräsident, ein Schriftführer und weitere Mitglieder bestellt worden sind und dass die Rechtsanwaltskammer ihre Tätigkeit aufgenommen hat. Am 20. März 1946 waren im Bezirk des Oberlandesgerichts Celle wieder 199 Anwaltsnotare zugelassen. Etwa 20 Anwaltsnotare waren im Kriege gefallen.

Das Kapitel "Die letzten Jahre des 20. Jahrhunderts" endet mit einem kurzen Ausblick auf die Entwicklung des Notariats in der Europäischen Union.

Aus dem Kapitel "Die Notarkammer Celle in der Zeit von 1961 bis 1977"

Im Mai 1973 fand in Hannover der Deutsche Notartag statt. Ein Empfang im Galeriegebäude im Großen Garten von Herrenhausen gab Anlass, an die hannoversch-großbritannischen Kurfürsten und Könige zu erinnern. Dr. Holtfort leitete seine Begrüßungsansprache mit launigen Bemerkungen ein. Was er dann aber über die Könige sagte, war so bösartig, dass zahlreiche Teilnehmer es nicht mehr als Satire durchgehen lassen wollten. Auf der nächsten Kammerversammlung übte der Vorsitzende des Celler Advokatenvereins, der Rechtsanwalt und Notar Dr. Kurt Blanke, heftige Kritik an den Ausführungen und warf dem Präsidenten Missbrauch seiner Stellung vor, indem er private Ansichten zum Vortrag gebracht habe, von denen er habe wissen müssen, dass sie von einem erheblichen Teil der von ihm repräsentierten Notare nicht geteilt werden, diese sogar verletzten.

Es gab persönliche Auseinandersetzungen. Kammervorstand, Kammerversammlung, Justizministerium und der Notarsenat wurden damit befasst, bis schließlich die Angelegenheit durch Vermittlung des Vorstandsmitglieds Hennings beigelegt werden konnte. Der Vorgang zeigt jedenfalls, dass die Geschichte des Kurfürstentums und Königreichs Hannover und des Welfenhauses, die ja auch Geschichte des Notariats im Gerichtsbezirk Celle bedeutet, noch nicht vergessen war. Holtfort blieb aber nach alledem Präsident, auch als !973 Neuwahlen stattfanden.

Aus dem Kapitel "1977 bis 1997"

Ein anderes Problem ergab sich aus der enorm ansteigenden Zahl von Anwälten. Schon 1978 hatte deshalb Präsident Hennings im Kammervorstand das "Wartezeit-Notariat" in Frage gestellt. Dann hatten sich die Kammern Celle und Braunschweig dafür eingesetzt, den Rechtsanspruch darauf, nach einer bestimmten Wartezeit zum Notar bestellt zu werden, abzuschaffen, die Bestellung vielmehr von dem tatsächlich bestehenden Bedarf und darüber hinaus von besonderen Fortbildungsmaßnahmen abhängig zu machen. Das fand allerdings nicht die ungeteilte Zustimmung aller Kammern des Anwaltsnotariats und zunächst auch nicht der damit befassten Justizministerien. Schließlich wurde aber im Jahre 1991 doch eine entsprechende Regelung eingeführt. Sie führte zu einem grundlegend veränderten Bild des Anwaltsnotariats. Das trat zunächst noch kaum in Erscheinung, sollte sich aber vor allem im nächsten Jahrzehnt zeigen, nachdem sich die Zahl der Rechtsanwälte vervielfacht hatte. ... Am 31.12.1985 gab es im Celler Bezirk unter 2577 Rechtsanwälten 1082 Notare.
(Ab 2003 wirkten sich die Anfang 1991 mit einer Übergangsregelung von 12 Jahren in Kraft getretenen neuen Bestimmungen über den Zugang zum Anwaltsnotariat voll aus, und die Zahl der Notare ging bis Ende 2004 auf 966 zurück, während die Zahl der Rechtsanwälte inzwischen auf 5041 angestiegen war.)

 
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