Hans-Dieter Nahme - Ein Deutscher im 20. Jahrhundert
Hans-Dieter Nahme - Ein Deutscher im 20. Jahrhundert   

Ein Deutscher im 20. Jahrhundert

III. Teil Wiederbelebung im atomaren Gleichgewicht der Supermächte
Terrorismus in Deutschland

3. Neue Entwicklungen und Reformen, Unruhen und Terror
Zwei exemplarische Prozesse - die außerparlamentarische Opposition - Eindrücke aus Mittel- und Südamerika - Demonstrationen und beginnender Aufruhr - Amerikaner auf dem Mond - Entspannungs- und Liberalisierungspolitik der Regierung Brandt - die olympischen Spiele in München - Deutsche - von Brandt zu Schmidt - Terror und die Auseinandersetzungen darüber - der NATO-Doppelbeschluss, Kohl wird Bundeskanzler - in Versailles - Tschernobyl, Barschel


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Leseprobe: Zum Terrorismus in Deutschland
(aus III.3 - Neue Entwicklungen, Terror und die Auseinandersetzungen)

Die anhaltende antiamerikanische Tendenz führte dazu, dass die aus der APO hervorgegangene "Rote Armee Fraktion" (RAF) auch Bombenanschläge auf USA-Hauptquartiere verübte. Als die USA - übrigens unter der konservativen Regierung Nixon / Kissinger - sich aus Vietnam zurückzogen, änderte das ebenfalls nichts. Ein anderes bevorzugtes Angriffsziel war der Schah von Persien, und mit ihm waren es wieder die USA, die ihn stützten. Als später der Schah abgesetzt und außer Landes getrieben war und die Revolution unter dem Ayatolla Chomeini ein mittelalterliches Regime mit Strafen wie Handabhacken für Diebe und Todesstrafe für Geschlechtsverkehr "Ungläubiger" mit Moslemfrauen errichtet hatte, interessierte man sich dafür kaum noch. Auch als in Kambodscha Pol Pot anstelle der von den Amerikanern unterstützten vorherigen Regierung an die Macht gekommen war und mit den Roten Khmer einen grausigen Völkermord mit mehr als einer Million Toten veranstaltete, gab es darüber nur noch gelegentlich Berichte am Rande. ...

Nach der Ermordung von Buback gab es an einem Universitätsgebäude in Göttingen eine Schrift zu sehen „Drenkmann war das erste Schwein, Buback kam gleich hinterdrein“ War das ein großer Unterschied zu den Sprüchen rechter Mörder in der Weimarer Republik „Rathenau – Judensau“ und „Stresemann verwese man“? In einer Göttinger Studentenzeitschrift schrieb ein Anonymus von seiner „klammheimlichen Freude“ über die Ermordung von Buback und fügte hinzu, er „bedauere ein wenig“, dass man ihn nun nicht mehr in das „Verbrecheralbum“ aufnehmen könne, das man nach der Revolution herausgeben werde. Ist dabei niemandem der Gedanke an so etwas wie einen „Volksgerichtshof“ gekommen? Es gibt einen Ausspruch von Heinrich Heine, den ich leider nicht wiedergefunden habe und deshalb vielleicht nicht ganz korrekt zitieren kann: „Hinter jedem Dichter steht ein Richter, hinter jedem Denker ein Henker und spricht: Ich bin die Tat zu deinem Wort.“ Dass die „linken“ Terroristen jetzt weniger Rückhalt in der Bevölkerung hatten als damals die „rechten“, macht sie nicht besser. Was wäre denn wohl in Deutschland geschehen, wenn dieser Geist die Macht bekommen hätte?

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Leseprobe: Zu Tschernobyl
(aus III.3 - Neue Entwicklungen und Reformen)

1986 hatte der Reaktorunfall von Tschernobyl einen Schock ausgelöst. In dem Kernkraftwerk im ukrainischen Tschernobyl war es zu einen Reaktorbrand gekommen, bei dem 50 mal soviel Radioaktivität wie bei der Atombombenexplosion in Hiroshima freigesetzt worden war. 28 Personen waren in den ersten Monaten gestorben. Die Zahl der Geschädigten geht in die vielen Hunderttausend. Mehr als 350.00 waren evakuiert worden. Die mehr oder minder stark erhöhte Radioaktivität war in ganz Nord- und Mitteleuropa festgestellt worden. Gibt die Katastrophe allen denen Recht, die die Nutzung der Kernenergie für schlechthin unverantwortbar halten? Ich dachte auch an das Contergan-Unglück Ende der 1950er Jahre. Damals hatte ein Arzneimittel bei etwa 5000 neugeborenen Kindern zu schweren Mißbildungen (z.B. ohne Arme oder Beine) oder zum sofortigen Tode geführt. Aber will man deswegen auf die Arzneimittelchemie verzichten, der die Menschen soviel Heilungsmöglichkeiten und langes Leben zu verdanken haben? Ist es nicht eher - und gerade im Fall Tschernobyl ganz offensichtlich - eine Frage der Sicherungsmaßnahmen?

Gewiß, auch ein Höchstmaß an Vorkehrungen kann eine Katastrophe bestenfalls mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit, doch niemals mit absoluter Sicherheit ausschließen. Aber gilt das nicht für viele Katastrophen-Möglichkeiten (z.B. das Leben in erdbebengefährdeten Gebieten, sogar in Millionenstädten), und schließt ein Verzicht auf Kernenergie etwa die Möglichkeit von Katastrophen aus? Wie groß ist die Gefahr von Naturkatastrophen infolge der Erderwärmung durch die Nutzung fossiler Brennstoffe oder von sozialen und Hunger-Katastrophen infolge einer Einschränkung der Energieerzeugung? Ich gebe zu, ich kann das nicht mit letzter Gewißheit beurteilen; aber können das die Blockierer von Straßen und Schienen besser? Fortwährender Austausch von Erkenntnissen, Argumenten und Meinungen ist nötig. Aber Demonstrationen, Blockaden und Gewalttaten sind keine Argumente, sondern zeigen eher Voreingenommenheit und Selbstgerechtigkeit

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