Hans-Dieter Nahme - Ein Deutscher im 20. Jahrhundert
Hans-Dieter Nahme - Ein Deutscher im 20. Jahrhundert   

Ein Deutscher im 20. Jahrhundert

III. Teil Wiederbelebung im atomaren Gleichgewicht der Supermächte
Die Wiedervereinigung

4. Die Wende
„Die Lebenslüge der Bundesrepublik Deutschland“ – Liberalisierungen in der Sowjetunion und in China – die deutsche Botschaft in Prag und die Montags- Demonstration in Leipzig - der Fall der Mauer - Kohls historische Leistung – Kritik - Kontakte - die Hauptstadtdebatte
 

Leseprobe: Beginn der Wiedervereinigung
(aus III.4 - Die Wende, Der Fall der Mauer)

Am nächsten Tage sehe ich auch in Hessen und auf der Autobahn „Trabbis“, die Kleinwagen aus der DDR. Man winkt ihnen zu. An der Grenze erhalten die Besucher gegen eine Eintragung im Pass ein Begrüßungsgeld, um etwas einkaufen und sich einen Tag versorgen zu können. Das Echo in der Welt ist enorm. „Die Deutschen sind das glücklichste Volk in der Welt“, sagt der Berliner Regierende Bürgermeister Momper. Nahe Werleshausen geht eine Gruppe aus dem Werratalverein über die Grenze zur Burg Hanstein. Wie der Pfarrer des Hansteindorfes sie kommen sieht, lässt er die Glocken läuten. Helmut Kohl, der sich gerade zu einem Besuch in Warschau aufhält, unterbricht ihn und kommt nach Berlin.

Die amerikanischen Politikwissenschaftler Philip Zelikow und Condoleezza Rice haben den außenpolitischen Gang der Geschichte, zu dem sie auch selbst beigetragen haben, in einem unbedingt lesenswerten Buch geschildert, das in der deutschen Übersetzung den Titel "Sternstunde der Diplomatie - die deutsche Einheit und das Ende der Spaltung Europas" trägt. Aus dem Epilog seien hier die folgenden Absätze wiedergegeben:
Wie am Beginn der Französischen Revolution der Sturm auf die Bastille stand, wird jede Geschichte der deutschen Vereinigung mit einer Volksbewegung beginnen - mit dem Exodus von Männern und Frauen, die genug hatten vom Mangel und von der Missachtung der Menschenwürde durch das ostdeutsche Regime. Aber es war Helmut Kohl, der diesen Gefühlen Ausdruck verlieh und Kurs auf die Vereinigung nahm. Er ging ein enormes Risiko ein, als er die Vereinigung auf die internationale Tagesordnung setzte, obwohl darauf noch kein Platz für sie war. Wie er feststellen musste, betrachteten die europäischen Verbündeten ein vereinigtes Deutschland immer noch mit Argwohn trotz fünfundvierzigjähriger außergewöhnlicher Freundschaft .... Die Vereinigten Staaten dagegen bewiesen Führungskraft. Sie legten sich schon früh auf die Unterstützung der deutschen Vereinigung fest ..... Die Geschichte ist voller verpasster Gelegenheiten. Diesmal jedoch nutzten die politischen Führer ihre Chance durch geschicktes, rasches Handeln - und indem sie auf die Würde der Sowjetunion Rücksicht nahmen. Die Folge war, dass die deutsche Vereinigung Europa zwar Schrammen zugefügt hat, aber keine Wunden. Dies ist ein Beweis von Staatskunst.

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Leseprobe: Die ehemals deutschen Ostgebiete
(aus III. 4 - Kohls historische Leistung)

Im Zusammenhang mit der Wiedervereinigung wurden nun auch die nach westlicher völkerrechtlicher Auslegung bis dahin nur unter polnischer oder sowjetrussischer Verwaltung stehenden früher deutschen Ostgebiete Schlesien, Pommern, Ost- und Westpreußen als polnisches bzw. sowjetrussisches Staatsgebiet anerkannt. Das war zwar fast nur noch ein formaler Akt und erfuhr auch nicht mehr viel Kritik. Es war nicht vergleichbar mit Versailles. Auch wenn man nicht in Kategorien wie Schuld und Strafe denken will, so war es doch die schicksalhafte historische und nicht unangemessene Folge deutscher Eroberungs- und Ausrottungs-Politik. Aber traurig darf man sein über den endgültigen Verlust von Provinzen mit Städten, Dörfern, Gütern und Landschaften, wo seit Jahrhunderten Deutsche gelebt und gearbeitet hatten. Und man darf auch die alten deutschen Städtenamen nennen von Königsberg bis Breslau; schließlich sagen wir ja auch Neapel, Mailand und Venedig, Lüttich, Warschau und Prag.

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