Hans-Dieter Nahme - Ein Deutscher im 20. Jahrhundert
Hans-Dieter Nahme - Ein Deutscher im 20. Jahrhundert   

Ein Deutscher im 20. Jahrhundert

IV. Teil Deutschland nach der Wende / Zeitgeschichte

1. Von Kohl zu Schröder
Abwahl, Ehrungen und Diskriminierung Sebnitz

2. Über die Schwelle zum 21. Jahrhundert
Die EXPO 2000 - deutsche Selbstaufgabe? - der 11. September 2001 und die Amerikafeindlichkeit, an Abgründen entlang

 

Leseprobe: Zu Expo 2000
(aus IV.3 - Über die Schwelle zum 21. Jahrhundert, die EXPO 2000)

Als eine Überleitung und Schau auf das 21. Jahrhundert konnte sich die Weltausstellung, die EXPO 2000, darstellen. Schon in den 1980er Jahren hatte sich Hannover darum beworben, und die Repräsentanten der Bewerbung, die der CDU angehörende damalige niedersächsische Wirtschafts- oder Finanzministerin Birgit Breuel und der hannoversche SPD-Oberbürgermeister Schmalstieg, waren sich begeistert in die Arme gefallen, als sie den Zuschlag erhielten. Schmalstieg hatte es allerdings schwer; denn die SPD war nicht einhellig dafür, und die Grünen als Koalitionspartner waren einhellig dagegen. Eine von der Stadtverwaltung veranlasste offizielle Meinungsbefragung der Hannoveraner brachte als Ergebnis: 50,5% dafür und 49,5% dagegen, kennzeichnend für die Halbherzigkeit.
Ich hatte etliche Mandanten, die schon mehrere Weltausstellungen gesehen hatten. Sie lobten dann die EXPO 2000 als die mit Abstand beste. Aber sie wurde nur ein halber Erfolg. Die Zeitungen und Sendestationen berichteten - wie es schien, mit Befriedigung - immer wieder von dem hinter den Erwartungen der Veranstalter zurückbleibenden Besuch, falschen Prognosen, falschen Planungen und dem zu erwartenden Defizit. Erst die meist begeisterten Erzählungen der Besucher ließen den Zustrom langsam anschwellen. Bundeskanzler Schröder als Hannoveraner besuchte die EXPO mehrmals. Bundesaußenminister Fischer als Grüner hielt einen einmaligen Besuch für ausreichend und schickte im übrigen zweit- oder drittrangige Beamte zu den zahlreichen ausländischen Staats- und Regierungschefs, die nach Hannover kamen. So wurde eine Chance vertan.
Das war typisch für viele Projekte.

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Leseprobe: Zu dem Begriff "Deutsches Volk"
(aus IV.2 - Über die Schwelle zum 21. Jahrhundert)

Wie ist es nur möglich, dass es einen Aufschrei gab, als ein maßgeblicher Politiker einmal von "deutscher Leitkultur" in Deutschland sprach? In jedem anderen Land der Welt wäre das für die eigene Kultur doch ganz selbstverständlich! Soll es die denn in Deutschland nicht mehr geben? Und was soll man davon halten, wenn gegen die im Jahre 1916 an dem Reichstagsgebäude zur Bekundung seiner demokratischen Bedeutung dort angebrachte Widmung "Dem Deutschen Volke" bis in den Bundestag selbst hinein Bedenken bestehen, dass der Begriff "Deutsches Volk" nationalsozialistisch sei und man besser von "der Bevölkerung" sprechen sollte? Wem denn sonst sollte das Parlamentsgebäude in Deutschland gewidmet sein? Anscheinend gibt es bei uns die Vorstellung, dass es ein deutsches Volk besser nicht mehr geben sollte. Aber was soll dann aus ihm werden? Soll die Regierung sich - frei nach Bert Brecht - ein anderes Volk suchen, und ist sie am Ende des (20.) Jahrhunderts vielleicht schon dabei?
Altbundeskanzler Helmut Schmidt, den wohl niemand als rechtsradikal und fremdenfeindlich verdächtigen kann, sagte:
"Wir haben unter idealistischen Vorstellungen, geboren aus den Erfahrungen des Dritten Reichs, viel zu viele Ausländer hereingeholt (...) Es gibt zwei Möglichkeiten für einen Ausländer: Entweder ist er ein Gast in einem anderen Lande, oder aber er will einwandern. Dann muss er sich langsam aber sicher - ein schwieriger Prozess - mit dem neuen Vaterland identifizieren. (...) Jetzt sitzen wir da mit einer sehr heterogenen de facto multikulturellen Gesellschaft und werden damit nicht fertig." (Bild-Zeitung vom 28.3.02)
Schmidt konnte das sagen. Kaum ein Anderer hätte das riskieren können, obwohl es doch eine ganz einfache, eigentlich selbstverständliche Sache ist. Jeder Ausländer, der Deutscher werden will, ausreichend deutsch spricht und sich mit Deutschland und der deutschen Kultur und Geschichte soweit beschäftigt hat, dass er ungefähr weiß, was er tut, sollte willkommen sein. Die französischen Hugenotten sind gute Preußen, die polnischen Arbeiter im Ruhrgebiet gute Deutsche geworden. Aber wenn er etwas Anderes bleiben will, sollte man es auch dabei belassen, sollte er Gast bleiben, und die Gastrolle findet irgendwann auch einmal ein Ende.


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